SIGNATUREN DER ANGST

von Mai 3, 2020Youtube0 Kommentare

Der Mangel an Winter, der Mangel an Regeneration und der Mangel an Rückbindung an sich selbst, das eigene verwurzelt Sein und den eigenen Lebenssinn höhlt das Gefühl von Vertrauen in sich selbst aus. Wir werden zu Getriebenen, unserer Verpflichtungen, den selbst auferlegten, wie den fremdbestimmten. Dazwischen versuchen wir noch etwas einzuschieben, das uns, manchmal auch nur scheinbar, ein wenig Ausgleich zu verschaffen verspricht.

Was uns in solch einer Situation regiert ist oftmals Angst, Angst, es nicht zu schaffen, Angst, nicht mehr mitzukommen, Angst, herauszufallen aus der Herde, aus dem, was gerade Normalität genannt wird.

Angst ist von Natur aus ein Warnsystem. Es weist auf mögliche Gefährdungen hin und schaltet in unserem Körper das Stresssystem zu. Dieses ist darauf ausgelegt, im Falle von Bedrohungen, mehr Energie bereit zu stellen, den Fokus einzuengen auf das, was wir für gefährlich halten.

Wenn nun aber die Bedrohung selbst nicht sichtbar ist, wie dies gegenwärtig der Fall ist, die Größenordnung der Bedrohung nur aus den Darstellungen der Medien oder den sich stetig wiederholenden Pressekonferenzen vermittelt wird, andere Informationsquellen schwerer verfügbar sind oder gar unterdrückt werden, so addiert sich zur ursprünglichen Angst die starken Begrenzung der Bewegungsfreiheit, vielerorts auch eine tatsächliche oder mögliche existentielle Bedrohung, Arbeitslosigkeit, finanzieller Druck und vieles mehr und erzeugt eine Vielfalt emotionaler Spannungen wie Aggression, Ohnmacht, Frustration, Hilflosigkeit und Sorge.

Ich möchte hier auch auf die Betroffenheit der Kinder eingehen. Kinder, je jünger desto stärker, nehmen die Welt emotional durch die Gefühlslage ihrer Eltern wahr. Das heißt, dass zu der Verunsicherung durch etwas, das sie noch weniger zu greifen vermögen als Erwachsene und die Veränderungen, die dadurch entstanden, dass sie ihre Freunde nicht mehr treffen können, ihr Bewegungsfreiraum eingeschränkt ist,  auch noch die angespannte Gefühlslage der Erwachsenen hinzukommt. Sie sind dann oftmals mit ihren Emotionen allein und deren ungefilterter Wucht ausgesetzt.

Ängste wirken erschütternd, je länger sie andauern, umso stärker greifen sie psychische und körperliche Integrität an. Sie setzten die Abwehrkraft unseres Immunsystems herab durch einen chronischen Anstieg des Cortisolspiegels im Blut und zerrütten unser Nervenkostüm.

Angst wirkt dann wie ein Virus. Sie greift um sich, infiziert gleichsam das psychische und körperliche System, welches sich immer weniger gegen sie behaupten kann und greift dann darüber hinaus in den Umgang der Menschen miteinander. Man will in der Angst etwas Konstruktives gegen die Angst tun und das ist zur Zeit sehr schwierig.

Zuhause zu bleiben, wenn einem die Decke schon auf den Kopf fällt und draußen Masken aufzusetzen, ist dafür nicht genug.

Wir alle wissen, dass uns Angst Bilder in den Kopf setzt, Horrorszenarien einerseits, die zu völligen Übertreibungen neigen oder Abwehrmechanismen, welche die Angst zu dämpfen versuchen. Wir werden psychisch immer weniger regulationsfähig.

Dies gilt natürlich nicht für alle Menschen, sondern insbesondere für jene, die entweder zuvor schon nicht sehr stabil waren oder durch die gegenwärtige Situation an den Rand ihrer Möglichkeiten gedrängt wurden.

Angst ist die Gegenspielerin oder sagen wir besser sie ist die andere Seite von Vertrauen. Je weniger Vertrauen wir spüren, desto höher steigt der Angstpegel.

Da wir jetzt nicht allzu viele Möglichkeiten haben, unserer Angst konstruktiv zu begegnen – und dabei möchte ich einen dringenden Appell an die Verantwortlichen richten, diesen Zustand zum Wohle der emotionalen Stabilität der Menschen in diesem Land, in Europa und der ganzen Welt, schnellstmöglich zu verändern – also, wenn wir unserer Angst nicht ausreichend konstruktiv begegnen können, so haben wir die Wahl zwischen zwei Wegen.

Der erste ist jener, der gleichsam automatisch stattfindet, unser Gehirn entwirft potentielle Ausgangsszenarien der derzeitigen Situation, wertet diese im Hinblick auf die möglichen Auswirkungen auf unser Leben und versucht uns darauf vorzubereiten. Da wir jedoch noch immer keine wirklichen evidenzbasierten Untersuchungen haben, geistern noch immer einander widersprechende Hypothesen durch den Informationsraum, die allesamt in höchstem Maße zweifelhaft sind. Verunsicherung, Verunsicherung, Verunsicherung. Dieser Weg verstärkt die Angst unter den gegenwärtigen Umständen immer mehr.

Der zweite Weg ist jener in Richtung Vertrauen. Damit meine ich nicht das Vertrauen in andere, seien es die Vertreter unserer Regierung oder irgendwelcher wissenschaftlicher Fachrichtungen. Es ist das Vertrauen in sich selbst und das Vertrauen ins Leben

Vertrauen ist etwas anderes als Sicherheit. Sicherheit unterliegt der Kontrolle und Kontrollverlust ist etwas, mit dem wir zurzeit in verstärktem Ausmaß konfrontiert sind. Wir haben die Kontrolle über das eigene Leben zu großen Teilen eingebüßt, beziehungsweise sehen uns gezwungen, sie abzugeben an die Notfallverordnungen unserer Regierungen.

Vertrauen ist blind, Vertrauen schenkt uns die Möglichkeit, selbst in sehr angespannten Situationen, die Ruhe zu bewahren. Vertrauen basiert auf dem Bewusstsein der eigenen Fähigkeiten und der eigenen Kreativität, mit ändernden sich Umständen umzugehen und neue Wege zu finden. Vertrauen verstärkt sich auch mit dem gewahr Sein, Vorstellungen, Erwartungen, Überflüssiges, wenn nötig,  loslzuassen um für Neues Platz schaffen zu können,.

Vertrauen ist eine notwendige Grundgröße des Lebens. Diese wird bereits im Mutterleib angelegt, wo wir ohne jedwede Handlungskompetenzen uns einem Leben und anderen Menschen auf Gedeih und Verderb anvertrauen müssen. Wir haben dies alle als Kinder gekonnt.

Natürlich wurde unser Vertrauen auch immer wieder mal enttäuscht, bei vielen gravierend, bei anderen weniger. Doch es war diese Kraft, die uns durch das abhängig und ausgeliefert Sein der Kinderjahre hindurch getragen hat.

Suchen Sie den Quell des Vertrauens in sich, jener Kraft, die uns auch dann noch aufrichtet, wenn rundum alles in Trümmern zu liegen scheint. Vertrauen macht uns zu Stehaufmännchen/weibchen. Es ist die Kraft in der Zwiebel, in der Wurzel, die nach dem Winter das Grün wieder sprießen, junge Triebe wachsen lässt und aufs neue Blüten treibt.

Das wird auch nach Corona passieren. Wir werden wieder hinausgehen, kreativ mit den sich dadurch verändert habenden Situationen umgehen, die durch die Krise und die Geschwindigkeit begangenen Fahler aufarbeiten und Mängel beseitigen und vielleicht fähig sein, das zurückzulassen, was an der Krise gescheitert ist oder schon davor nicht mehr angemessen war – damit meine ich auf keinen Fall Menschen und deren Lebensgrundlagen, sondern Verhaltensmuster, das alte „normal“, vielleicht auch die erschöpfte Lethargie die aus Überforderung allenthalben herrschte.

Vielleicht haben wir die Möglichkeit, nach Corona unsere Welt zu einem Lebensraum zu machen, der soziale Scheren wieder weiter schließt, anstatt sie weiter zu öffnen, sich mehr Zeit einzuräumen, um immer wieder zur Ruhe zu kommen, unseren Lebensräumen und Lebensträumen mehr Aufmerksamkeit zu schenken, einschließlich unserer Lieben und auch auch der Tier- und Pflanzenwelt.

Vielleicht wollen wir dem Wachstums- und Gewinnmaximierungsparadigma nicht mehr so viel opfern und unserer Lebensqualität jenseits materiellen Besitzes und Geldes mehr Aufmerksamkeit schenken.

Vielleicht….

Darauf unser Vertrauen zu richten, auf die Möglichkeiten, die jede/r Einzelne von uns und wir gemeinsam haben, wäre ein gesundheitsförderlicher Weg, der Angst zu begegnen und sich dessen bewusst zu werden, dass es uns allen sehr ähnlich geht.

Das Verbindende über das Trennende zu heben, das ist die Qualität der Wurzeln, die alle auf einer tiefen Ebene ein symbiotisches Netzwerk bilden. Dies gilt nicht nur für die Pflanzenwelt, sondern auch für die von uns Menschen.

Ich werde ihnen im nächsten Beitrag etwas über die Signaturen der Manipulation erzählen, da diese inzwischen in hohem Ausmaß sich als Teil dieser Krise entlarvt.

Ich wünsche Ihnen das Allerbeste

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